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Neuigkeiten vom Gesunden Niederösterreich
Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie an der Donau-Uni Krems
LH-Stv. Mag. Sobotka und der Leiter des Departments an der DUK Prof. Dr. Gartlehner, MPH, stellten das Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie inhaltlich vor und gingen der Frage nach: Was bedeutet „evidenzbasiert"? Die Wichtigkeit, Entscheidungen im Gesundheitssystem mit evidenzbasierten Methoden zu unterstützen und Evaluation von gesundheitsfördernden und präventiven Programmen durchzuführen, wurde anhand konkreter Praxisbeispiele dargestellt.
„Grundsätzlich versteht man unter evidenzbasierter Medizin die `auf Beweismaterial gestützte Heilkunde`. Unter Einbeziehung des besten, international vorhandenen Wissens wird bei der Entscheidungsfindung beurteilt, was `am Ende des Tages` von den Gesundheitsprogrammen bleibt, welchen Nutzen die PatientInnen nach Monaten oder Jahren davon haben. Ist es zu einer Verbesserung der Gesundheitssituation oder zu einer Reduktion der Mortalitätsrate gekommen.“ erläutert LH-Stv. Mag. Wolfgang Sobotka und führt weiter aus: „Da die Ressourcen limitiert sind, ist es besonders wichtig, vorhandene Gelder zielgerichtet und effizient einzusetzen. Dies gelingt am besten anhand von evidenzbasierten Programmen.“
Das Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie wurde im Jänner 2008 unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH, mit der Zielsetzung gegründet, Entscheidungen im österreichischen Gesundheitssystem mit evidenzbasierten Methoden (Meta-Analysen und systematischen Übersichtsarbeiten) zu unterstützen, sowie eine Evaluation von gesundheitsfördernden und präventiven Programmen durchzuführen.
Das Department ist eine weisungsfreie und unabhängige Institution. Mehr als 300.000 Euro an Drittmitteln konnten lukriert werden. 46 Publikationen in nationalen und internationalen Fachjournalen, 64 Präsentationen zum Teil auch auf internationalen Konferenzen, 60 Presseartikel über das Department bzw. über die Tätigkeit des Departments sowie 2 internationale Konferenzen wurden ausgerichtet.
Die Arbeitsschwerpunkte des Departments liegen in drei wesentlichen Bereichen:
1. Erstellung von systematischen Übersichtsarbeiten und anderen evidenzbasierten Entscheidungshilfen: Systematische Übersichtsarbeiten und Health Technology Assessments (HTAs) haben in den letzten Jahren zu wesentlichen Veränderungen in der klinischen Medizin und der Gesundheitspolitik geführt. Sie werden heute als das objektivste Instrument zur Beantwortung klinischer und versorgungspolitischer Fragestellungen gesehen. Jährlich werden weltweit mehr als zwei Millionen medizinische Artikel publiziert. Für eine einzelne Person ist es unmöglich diese Fülle an wissenschaftlicher Literatur zu bewältigen. Systematische Übersichtsarbeiten fassen Resultate einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien zusammen, bewerten die methodische Qualität, die Aussagekraft für die medizinische Praxis und erstellen daraus eine Antwort auf eine gegebene Fragestellung.
Ein konkretes Beispiel – Bachblüten bei Prüfungsangst: In der heutigen Zeit setzen die Menschen vermehrt auf "natürliche Therapien". Die Arbeit zeigt aber klar, dass wissenschaftliche Studien keinen Nachweis für die Wirksamkeit von Bachblüten bei Prüfungsangst oder ADHS gefunden haben. Dies soll aber nicht bedeuten, dass Bachblüten als nutzlos anzusehen sind. Viele Menschen in psychisch belastenden Situationen sprechen gut auf Placebos an. Bachblüten können daher ein gutes Mittel sein, um der Prüfungsangst medikamentenfrei beizukommen.
2. Evaluation von gesundheitsfördernden Programmen: Da die Ressourcen limitiert sind, ist es besonders wichtig, vorhandene Gelder zielgerichtet und effizient einzusetzen und vorhandene Programme zu evaluieren. Ein Beispiel ist die Evaluierung des Pilotprogramms VORSORGEaktiv: Ziel dieses Programms ist, zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren und das Ernährungs- und Bewegungsverhalten nachhaltig zu verändern. Das Pilotprojekt wurde in neun Regionen Niederösterreichs zwischen April 2008 und Jänner 2009 mit 124 Personen evaluiert. Insgesamt erreichten 77% aller Teilnehmer eine Reduktion ihres Körpergewichtes. Diese positiven Veränderungen spiegelten sich auch in den körperlichen und psychischen Aspekten der Lebensqualität statistisch signifikant wider. Die Ergebnisse für den 1. regulären Turnus mit 28 Standorten und 30 Gruppen mit insgesamt ca. 360 TeilnehmerInnen werden für Herbst 2010 erwartet.
Die Ergebnisse des Projekts VORSORGEaktiv werden als Grundlage für die Erstellung eines ökonomischen Modells verwendet. Ziel des Projektes ist, die ökonomische Effizienz dieser Interventionen beurteilen zu können. Die Ergebnisse dieses Gesundheitsökonomischen Modells für das Programm VORSORGEaktiv 08/09 werden im Herbst vorgestellt.
3. Erstellung von evidenzbasierten Informationsprodukten für ÄrztInnen und PatientInnen: Ein Kernstück ist das evidenzbasierte Informationszentrum für niederösterreichische ÄrztInnen, das Anfragen von niederösterreichischen KrankenhausärztInnen in kompakter Form beantwortet. Praktizierenden ÄrztInnen ist es oftmals schwer möglich, sich ausreichend mit aktuellem wissenschaftlichen Ergebnissen zu medizinischen Fragenstellungen auseinandersetzen. Die eingegangenen Fragen werden in entsprechenden Datenbanken recherchiert und die Ergebnisse in einem standardisierten Format unter Angabe der Quellen zur Verfügung gestellt. Die Resonanz von NÖ-ÄrztInnen, die dieses Service bereits genutzt haben, ist äußerst positiv. Das EBM-Ärzteinformationszentrum kann daher eine fundierte Entscheidungsrundlage zur Verbesserung der Qualität medizinischer Versorgung in Niederösterreich bieten.
Perspektiven für die Zukunft - Etablierung einer österreichischen Cochrane Einheit
Die Cochrane Collaboration ist eine internationale Organisation ausgehend von England und besteht schon in vielen anderen Ländern - allerdings noch nicht in Österreich. Seit der Etablierung der evidenzbasierten Medizin in den 90er Jahren wurde die Cochrane Collaboration zum Vorreiter der systematischen Beurteilung wissenschaftlicher Evidenz und hat die Entwicklung der evidenzbasierten Medizin weltweit entscheidend mitgeprägt. Die Aufgabe einer Cochrane Einheit ist die Erstellung, Aktualisierung und Verbreitung von systematischen Übersichtsarbeiten und wird durch organisatorische und methodische Unterstützung der wissenschaftlichen AutorInnen ermöglicht. Aufgrund der hohen Qualität sind „Cochrane Reviews“ zu einer unverzichtbaren Informationsquelle für WissenschaftlerInnen, ÄrztInnen und politische EntscheidungsträgerInnen geworden. Beispielsweise hat bei der „Neuen Grippe“ (Schweinegrippe) die Cochrane Collaboration innerhalb kurzer Zeit EntscheidungsträgerInnen relevante Berichte zur Grippetherapie zur Verfügung gestellt.
Das Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie an der Donau-Universität Krems hat die Möglichkeit zur Etablierung der österreichischen Cochrane Zweigstelle. Funktion dieser Zweigstelle ist die Schulung und Unterstützung österreichischer WissenschaftlerInnen in den Methoden der evidenzbasierten Medizin mit dem Ziel, den Wissenstransfer von Cochrane zu EntscheidungsträgeInnen im österreichischen Gesundheitssystem zu erleichtern. „Die Errichtung einer österreichischen Cochrane Zweigstelle in Krems ist nicht nur ein wichtiger Schritt für Österreich, sondern erhöht die wissenschaftliche Reputation Niederösterreichs beträchtlich, da für jedes Land nur eine Cochrane Zweigstelle vergeben wird“ erfreut sich der Leiter des Departments Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH.
Weiterführende Informationen sind zu finden unter: www.donauuni.ac.at/de/department/evidenzbasiertemedizin
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